VDA Bezirk 01 Berlin/Brandenburg - Verzicht auf Farbmuscheln

Verzicht auf Farbmuscheln

Aufruf zum Verzicht auf Farbmuscheln

Blaue Saphirmuschel, Rosa Muschel, etc.

Seit einiger Zeit geistern sie durch die Aquaristik - Farbmuscheln. ZOMPRO (2008) klärte die Identität und stellte fest, daß diesen Muscheln das Periostracum, die ober Schutzschicht der Schalen, abgeschliffen wurde. Auf die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift ARTHROPODA hin haben bereits mehrere Händler diese Tiere aus dem Angebot genommen. LECHNER (2009) bestätigte die Bearbeitung der Muscheln. Leider erschien dann noch ein Artikel, der diese Muscheln wieder als Aquarienpfleglinge anpreist (IMMING, 2009). Da hierdurch eine erneute Zunahme der Vermarktung zu befürchten ist, möchten wir hiermit zum Verzicht auf den Handel mit diesen Muscheln aufrufen.

Die mehr oder weniger ,künstlerische‘ Bearbeitung von Muschelschalen und Schneckengehäusen hat in Asien eine lange Tradition. Dabei werden die Schalen oft bemalt, graviert oder mit bunten Steinen beklebt.

In letzter Zeit kamen mehr und mehr lebende Tiere ins Visier der ,Kunstschöpfer’. Nachdem sogar tätowierte Fische angeboten wurden, deren Vermarktung hierzulande glücklicherweise nicht stattfiindet, vergreift man sich jetzt mehr und mehr an Wirbellosen. Als erstes wurde die ,Blaue Saphirmuschel’ angeboten, mit wissenschaftlichem Namen Batissa violacea (Familie

Corbiculidae, Körbchenmuscheln). Dieser an sich schwarzen Muschel, die unbearbeitet unserer heimischen Islandmuschel Arctica islandica recht ähnlich sieht, wurde das Periostracum, also die lederartige farbige Schicht auf der Schale, einfach abgeschliffen. Die Reste sind aber im Bereich des Schloßbandes (Ligament) noch sichtbar. Dieser membranartige Bereich läßt sich nur schlecht bearbeiten, da die Muschel bei einer Durchtrennung wahrscheinlich eingeht. Das Periostrakum ist die Schutzschicht der Muschel gegen chemische Einflüße und daher besonders im sauren Wasser lebensnotwendig. Kurz darauf wurden auch ,Rosa Muscheln’ angeboten. Hierbei handelt es sich um Cristaria discoidea und seltener auch Sinanodonta woodiana (Familie Unionidae, Teichmuscheln).

Bereits bei geringer Vergrößerung sind mit einem Mikroskop deutlich Schleifspuren und, besonders in den Rillen, Reste des Periostracums zu erkennen. Offensichtlich werden die Tiere mit der Hand und einfachem Schleifpapier geschliffen. Dieses ist zum Einen billiger, zum Anderen bringt ein maschinelles Schleifen eine zu starke Erhitzung mit sich. Dieses Problem läßt sich aber leicht lösen, wenn man in fließenden Wasser schleift, wie es beispielsweise beim Bernsteinschleifen üblich ist. Die ,Bearbeitung’ einer Muschel nahm im Test nur etwa 5 Sekunden in Anspruch. Man kann sich also gut vorstellen, daß ein geübter Schleifer es auf einige tausend Muscheln am Tag bringen kann. Der zusätzliche Arbeitsaufwand stellt weder logistisch noch finanziell irgend ein Problem dar.

Jeder Tierfreund sollte auf die Vermarktung oder den Kauf dieser Muscheln generell verzichten!

Eine Online-Liste der Firmen und Foren, die sich an diesem Tiermißbrauch nicht beteiligen, befindet sich auf www.aquaristik-sh.de!

Literatur

IMMING, G. 2009 - Die Blaue Saphir-Muschel. - Caridina 3(1): 46-48.

LECHNER, W. 2009 - Muscheln in Rosa und Blau - leider eine Fälschung. - DATZ 62(2): 36-37.
ZOMPRO, O. 2008 - Weichtiere im Süß- und Brackwasseraquarium II: Tropische Süßwassermuscheln. - ARTHROPODA 16(3): 54-63.

Dr. Oliver ZOMPRO, Redaktion ARTHROPODA

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